MIROX PVC Fenstern und Türen aus Polen

Der Blick in Nachbars Garten

Bekanntlich erscheint uns das Gras auf der anderen Seite des Gartenzauns bisweilen auf unerklärliche Weise frischer und saftiger. Statt dies zu beklagen, gibt es Marktteilnehmer, die einfach auf beiden Seiten ernten. GFF berichtet von einer knapp einwöchigen Reise nach Polen.

„Look outside of Your box“ lautet denn auch der prägnante Ratschlag von Jakub Romanowski. Der Mann spricht perfektes Englisch, das trifft sich für einen Verantwortlichen in UK gut. Die Frage eines Reporters nach Möglichkeiten der Alleinstellung in Anbetracht der stets gleichen Profile, die die Kunden verarbeiten, pariert der Aluplast-Manager so: „Acht Prozent niedrigere Produktionskosten unser Partnerbetriebe in Polen müssen Kunden in Hochlohnländern kompensieren.“ Das Wie indes erklärt Patrick L. Seitz, den GFF zufällig zwei Tage später bei einem Kongress in Künzelsau trifft: „Deutsche Betriebe müssen hier ihre Lokalität und ihren Service in die Waagschale werfen", rät der geschäftsführende Alu- plast-Gesellschafter. Dazu passt, was Internorm-Prokurist und Vertriebsprofi Günter Fritz auf der Budma (siehe Messebericht in diesem Ressort) sagt: „Natürlich wird in Polen günstiger produziert als in Deutschland oder Österreich. Allerdings sind die resultierenden Preisvorteile nach unserer Erfahrung schnell dahin, wenn sich die Fensterbauer im jeweiligen Exportmarkt einem erfolgreichen Marketing widmen.“ Szenenwechsel: Gerade mal ein paar Kilometer von Lieferant Aluplast entfernt und ebenfalls in der 600.000- Einwohner-Stadt Poznan (dt. „Posen“) gelegen, präsentiert sich Familienbetrieb Mirox auf dem Vormarsch. Beim Rundgangdurch die Produktion-verarbeitet werden AIuplast-PVC-Profile, daneben gibt es, insbesondere für Haustüren, eine kleine Aluabteilung-findet der für den deutschen Markt zuständige Kundenbetreuer Piotr Schmidt immer wieder Gelegenheit zu erklären, dass Mirox eben gerade nicht in der Billigliga spielen will. So werde das Vorzei- geprofil des Zulieferers, Energeto, mit einer durchgehenden 1,5-Millimeter- Stahlarmierung für eine höhere Stabilität bestückt: „Vorgeschrieben sind 1,2 Millimeter, dazu stückeln viele Hersteller die Armierung. Beides macht sich hinterher in der Festigkeit bemerkbar.“ Dazu kommt ein Trumpf, der in Anbetracht der räumlichen Distanz zum Zielmarkt, etwa im Fall von Aufträgen aus dem Süddeutschen, überrascht: „Wir können innerhalb von bis zu zehn Tagen das fertige Fenster liefern. Das werden Sie in Deutschland auch bei einheimischen Produzenten nicht so häufig finden“, gibt sich Schmidt selbstbewusst. Für das familiengeführte Unternehmen Mirox ihres Vaters, sagt Juniorchefin Joanna Kruszyńska (siehe „Kurz gefragt“ links), habe sich zur Mitte der Nullerjahre vor dem Hintergrund immer größerer Produktionseinheiten im polnischen Markt, mit denen man nicht konkurrieren konnte, die Gretchenfrage nach einem Auslandsengagement gestellt.

Schubladendenken und die Folgen

Also, nichts wie rüber in Nachbars Garten! Offenbar, dieses Bild vermitteln Piotr Schmidt und sein ebenfalls deutschsprachiger Kollege Norbert Woronowicz im Gespräch, zählen dabei für den Kunden in Deutschland noch immer Kriterien wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit - und der Preis? Da müsse man trotz klar benennbarer Qualitätsvorteile unverändert darum kämpfen, nicht ganz schnell in der Billigschublade zu landen.

Gleichwohl, das Ansinnen, in Anbetracht modernster Maschinen von Elumatec oder Federhenn, gut qualifizierter Mitarbeiter und eines State-of- the-Art-Profils vollkommen berechtigt, scheint keineswegs in allen Fällen fehlzuschlagen: So verweist Schmidt nicht ohne Stolz auf die jährlichen Steigerungsraten von im Mittel 50 Prozent zwischen Flensburg und Garmisch. Man merkt ihm an, dass er gut kann, mit den deutschen Kunden. Dagegen haben ihm die Schweizer das Kraut ausgeschüttet, wie man in Bayern sagt: „Die sprechen unsere Fahrer schon mal an der Grenze an und wollen wissen, warum polnische Fenster überhaupt in die Schweiz transportiert werden sollten. Dort gebe es schließlich auch Fenster.“ Fazit: Der Blick in Nachbars Garten hilft manchmal bei der realistischen Beurteilung eigener Erzeugnisse.

Der Blick in Nachbars Garten
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